Transformationsprogramm DaziT

Stand April 2019     

Das Wichtigste in Kürze

Die durchgängige Digitalisierung der Zollformalitäten erfordert eine komplette Erneuerung der Informatik-Landschaft und sämtlicher Geschäftsprozesse der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV). Ziel ist die zeit- und ortsunabhängige Erledigung der Grenzformalitäten. Dies senkt die Kosten für die Zollverfahren und entlastet insbesondere die Wirtschaft. Im grenzüberschreitenden Warenverkehr kann die Wirtschaft mit Einsparungen von 125 Millionen Franken pro Jahr rechnen. Dank effektiveren Kontrollen verbessert sich zudem die Sicherheit im internationalen Warenverkehr. Das Programm DaziT erstreckt sich über die Jahre 2018 bis 2026 und soll in Etappen realisiert werden. Für die Umsetzung des Programms hat das Parlament im Herbst 2017 einen Kredit von rund 400 Millionen Franken bewilligt, der entsprechend den Realisierungsfortschritten in vier Tranchen freigegeben werden soll. Die Programmbezeichnung «DaziT» steht für «Dazi», das rätoromanische Wort für Zoll, und für «Transformation», während die «IT» das zentrale Element darstellt.


Ausgangslage

Die Formalitäten beim Grenzübertritt von Waren und Personen werden heute nicht mehr im technologisch möglichen Umfang unterstützt. Namentlich das Zollverfahren bei der Ein- und Ausfuhr von Waren soll vereinfacht und beschleunigt werden. Jeden Tag überqueren rund 2 100 000 Personen, 1 100 000 Fahrzeuge und 24 000 Lastwagen die Schweizer Grenze. Administrative Routinearbeiten binden heute wichtige Ressourcen der EZV. Diese würden dringend benötigt, um die Kontrollen zu verstärken und ausserordentliche Situationen im Personenverkehr oder in der Migration besser abzudecken.

Die EZV soll konsequent ins digitale Zeitalter überführt werden. Das Programm DaziT bildet ein Schlüsselelement dazu und leitet sich von folgenden strategischen Grundsätzen der EZV ab: Agile Ausrichtung auf das Gegenüber, Stärkung der Sicherheits- und Kontrollfunktion sowie Stärkung der Strafverfolgung. DaziT trägt so zur Steigerung der Kundenfreundlichkeit und der Sicherheit an der Schweizer Grenze bei.

Ziele des Programms

DaziT soll für Kunden den Geschäftsverkehr und die Kommunikation mit der EZV grundlegend vereinfachen. Reisende sollen ihre im Ausland gekauften Waren jederzeit und von überall aus beim Zoll anmelden können. Geschäftskunden sollen jederzeit auf ihre Dossiers bei der EZV zugreifen können. Mit DaziT soll die Wirtschaft zusätzlich entlastet werden, indem europakompatible Informatik-Lösungen realisiert werden.

Dank DaziT sollen künftig auch mehr Ressourcen für Kontrollen im zunehmenden Waren- und Personenverkehr eingesetzt werden. Eine bessere Datenlage soll zudem die Risikoanalyse optimieren, was wiederum ermöglicht, noch gezielter zu kontrollieren. Die gesteigerte, ortsunabhängige Datenverfügbarkeit soll mobile Kontrollen noch flexibler und so noch wirkungsvoller machen. Auch sollen Daten schneller mit in- und ausländischen Stellen ausgetauscht werden.

Innerhalb der Verwaltung soll DaziT zu schlankeren und effizienteren Prozessen führen. In der anfänglichen Programmphase sind Investitionen und eine temporäre Verstärkung der Personalressourcen notwendig. Ab 2023 können dank der erzielten Produktivitätssteigerung von rund 20 Prozent die Verwaltungskosten der EZV in den betroffenen Bereichen gesenkt werden.

Stand der Arbeiten

Das Programm DaziT wurde am 1. Januar 2018 offiziell gestartet. Die Programmumsetzung richtet sich nach einer Gesamtplanung (Roadmap). Zeitplan und Projektportfolio werden aufgrund neuer Erkenntnisse rollend aktualisiert. Wenn immer möglich und sinnvoll werden die DaziT-Projekte agil geführt, damit Kunden und Mitarbeitende fortlaufend von Verbesserungen profitieren. Aktuell befinden sich fünf Projekte in der Durchführung und drei weitere Projekte sind in der Initialisierung.

Aktuell befinden sich sieben Projekte in der Durchführung und vier weitere Projekte sind in der Initialisierung.

Das Projekt Redesign Fracht/Abgaben geniesst höchste Priorität. Der Bereich Fracht umfasst die vollständige Digitalisierung der Prozesse für die Ein-, Aus- und Durchfuhr von Waren. Ein wichtiger Aspekt ist die automatische Aktivierung von Zollanmeldungen beim Grenzübertritt. Für die technische Umsetzung werden verschiedene Lösungen in Betracht gezogen; ein Pilotversuch mit Smartphone-App ist für das Jahr 2019 geplant. Parallel wird das den Frachtsystemen zugrundeliegende Datenmodell auf internationale Standards ausgerichtet, um den Austausch mit Partnern im Ausland zu erleichtern. Im Bereich der Abgaben werden die zurzeit sehr heterogenen Prozesse vereinfacht, standardisiert und mit dem Bereich Fracht harmonisiert. Die ursprünglich getrennten Projekte werden neu als gemeinsames Projekt umgesetzt, um Synergien zu erzielen.

Das Projekt E-Portal bereitet ein zentrales Online-Portal vor, wodurch Kunden sämtliche Dienstleistungen der EZV beanspruchen können – rund um die Uhr und von überall aus.

Beim Projekt Stammdaten wird eine EZV-weite Stammdaten- und Kundenplattform aufgebaut, welche mehrere bestehende und heterogene Datenbanken der EZV ersetzt. Die neue Plattform soll die Datenpflege vereinfachen und die Datenqualität verbessern.

Beim Projekt ELS (Erweiterung Einsatzleitsystem) wird das heutige Einsatzleitsystem des Grenzwachtkorps um die Personenortung (mobile responder) für Dienst-Smartphones erweitert.

Das Projekt European Electronic Toll Service (EETS) sorgt für um die Anbindung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) an das europäische Strassenmautsystem.

Das Projekt EES / ETIAS (Entry Exit System / European Travel Information and Authorisation System) ist das Kernstück des Projektes EU Smart Borders, das zu wirksameren Kontrollen an den Schengen-Aussengrenzen führen soll. Dank dem elektronischen Reiseinformations- und Reisegenehmigungs-System sollen visabefreite Reisende an den Flughäfen frühzeitig geprüft werden können.

Via ist eine neue Smartphone App zur Erhebung der Pauschalen Schwerverkehrsabgabe (PSVA) für ausländische Fahrzeuge. Sie wird in 2019 eingeführt.

In der Initialisierung stehen vier Projekte. Das Projekt B2B Gateway ermöglich eine automatische Schnittstelle zwischen den IT-Systemen der EZV und derjenigen von Firmen. Das Projekt Zertifikate – PKI stellt eine zentralisierte und einheitliche Verwaltung der digitalen Zertifikate sicher. Mit dem Projekt LSVA III wird das bestehende System zur Erhebung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe im Inland abgelöst. Das Projekt Data Analytics legt das Fundament für die programmübergreifende Datenerhebung und -auswertung.

Im Jahr 2018 wurden ausserdem fünf Quick Wins umgesetzt, die als Prototypen der EZV 4.0 dienen und Mehrwerte für Bevölkerung, Wirtschaft und Staat bringen. Zum Beispiel die Smartphone App QuickZoll, welche Reisenden ermöglicht, einen normalen Einkauf im Ausland vollständig digital und mobil zu verzollen.

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