Glossar SV17 / STAF

Abschreibungen

Abschreibungen werden vorgenommen, um stets den aktuellen Wert des Vermögens aus der Buchführung ersehen zu können und den Wertverlust durch Abnutzung oder Alterung der Anlagegüter als Kosten buchhalterisch nachzuvollziehen. Abschreibungen stellen Aufwand dar und mindern den steuerbaren Gewinn.

Ausgleichsmassnahmen, vertikale

Vertikale Ausgleichsmassnahmen sind Zahlungen vom Bund an die Kantone, um den Kantonen finanzpolitischen Handlungsspielraum zu verschaffen und die Lasten der Steuervorlage 17 (SV17) zwischen Bund und Kantonen ausgewogen zu verteilen. Die SV17 wird schwergewichtig in den Kantonen und ihren Gemeinden umgesetzt und führt dort zu höheren Mindereinnahmen als beim Bund. Der Bund hingegen profitiert vom Erhalt der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit, indem er die Einnahmen der direkten Bundessteuer sichern kann.

BEPS

«Base Erosion and Profit Shifting» (BEPS, deutsch: «Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung») ist ein Projekt der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und der G20 (Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer). Dieses Projekt beabsichtigt, dass die Gewinne der Unternehmen an dem Ort besteuert werden, an dem die Wertschöpfung stattfindet. Im Herbst 2015 hat die OECD die Resultate, darunter vier Mindeststandards, zu diesem Thema veröffentlicht.

Beta-Faktoren

Gewinne von Gesellschaften mit kantonalem Steuerstatus (s. unter Steuerstatus) werden mit den Beta-Faktoren verrechnet und somit im Ressourcenpotenzial (s. unter Ressourcen-potential) tiefer gewichtet. Aufgrund dieser privilegierten Besteuerung fliessen die Gewinne nur reduziert in das Ressourcenpotenzial ein. Die Grundlage dazu bildet das Steuerharmonisierungsgesetz (StHG). Die Beta-Faktoren werden aufgrund von Steuerdaten empirisch erhoben und für eine Vierjahresperiode festgelegt.

Entlastungsbegrenzung

Mit der SV17 soll im Steuerharmonisierungsgesetz eine Entlastungsbegrenzung eingeführt werden. Diese stellt sicher, dass Unternehmen auch nach Anwendung der neuen steuerli-chen Sonderregelungen (Patentbox und zusätzliche F&E-Abzüge) mindestens 30 Prozent des Gewinns versteuern. Soweit die kantonale Praxis eine Aufdeckung stiller Reserven bei Beendigung der Besteuerung als Statusgesellschaft vorsieht, fallen auch die diesbezüglichen Abschreibungen unter die Entlastungsbegrenzung.

Finanzausgleich

Der Finanzausgleich regelt die finanziellen Beziehungen zwischen Bund und Kantonen. Er umfasst einerseits die Zuteilung der öffentlichen Aufgaben und andererseits die Umverteilung von öffentlichen Geldern zwischen Bund und Kantonen bzw. zwischen den Kantonen. Mit dem Finanzausgleich werden zwei Hauptziele verfolgt: Kantonale Unterschiede in der finanziellen Leistungsfähigkeit werden verringert und die Effizienz bei der staatlichen Aufgabenerfüllung gesteigert.

Forum on Harmful Tax Practices (FHTP)

Das «Forum gegen schädliche Steuerpraktiken» bezweckt, schädliche Steuerpraktiken in OECD-Mitgliedstaaten und weiteren Ländern aufzuzeigen und zu verhindern. Die Schweiz ist in diesem Gremium vertreten. Die OECD schuf das FHTP nach der Veröffentlichung des Berichts «Harmful Tax Competition: An Emerging Global Issue» (Deutsch: Schädlicher Steuerwettbewerb: eine aufstrebende globale Thematik) im Jahr 1998. Heute ist das FHTP unter Aktion 5 Teil des BEPS-Projekts und beschäftigt sich vor allem mit Substanzanforderungen für Unternehmen und Transparenz in Steuersachen. In diesem Forum wurde unter anderem der OECD-Standard für Patentboxen entwickelt.

Gewinnsteuerbelastung, effektiv

Weil der Steuerbetrag von der Bemessungsgrundlage abgezogen werden kann, reduziert sich die tatsächliche Belastung. Beim Bund entspricht sie 7.83%.

Gewinnsteuerbelastung, statutarisch

Sie basiert auf den gesetzlich vorgegebenen Gewinnsteuersätzen. Beim Bund beträgt sie 8.5%.

Gewinnsteuer des Bundes

Der Gewinnsteuer des Bundes unterliegen alle juristischen Personen mit Sitz oder tatsäclicher Verwaltung in der Schweiz. Dies betrifft insbesondere Kapitalgesellschaften (Aktiengesellschaften, Kommanditaktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung) und Genossenschaften sowie Vereine, Stiftungen und übrige juristische Personen.

Inputförderung

Sie stellt eine Methode zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung dar. Anders als bei der Patentbox (s. unter Patentbox) wird bei diesem Instrument bei den Aufwänden, sprich beim Input, angesetzt. Dabei kann grundsätzlich zwischen der Gewährung von Steuergutschriften und einem zusätzlichen Abzug für Forschungs- und Entwicklungsaufwände in der Steuerbilanz unterschieden werden.

Lastenausgleich

Der Lastenausgleich entlastet Gebirgs- und Zentrumskantone, die bei der Bereitstellung von staatlichen Gütern und Dienstleistungen strukturbedingt mit höheren Kosten konfrontiert sind. Beiträge für Sonderlasten erfolgen zum einen über den geografisch-topografischen Lastenausgleich (GLA) und zum anderen den soziodemografischen Lastenausgleich (SLA). Der Lastenausgleich wird vollständig durch den Bund finanziert.

Nexusansatz, modifiziert

Dieser Ansatz wurde von der OECD (vgl. obenstehende Ausführungen zum Forum on Harmful Tax Practices) im Zusammenhang mit Patentboxen erarbeitet. Mit dem modifizierten Nexusansatz soll sichergestellt werden, dass im Rahmen der Patentbox nur diejenigen Erträge steuerlich privilegiert werden, die auf Forschungs- und Entwicklungsaufwand im Inland zurück zu führen sind. Im Einklang mit dem von der OECD entwickelten Modell ist jedoch in beschränktem Ausmass noch eine zusätzliche Entlastung möglich (sog. «Uplift»).

Patentbox

Mittels einer Patentbox werden Gewinne aus Patenten und vergleichbaren Rechten ermässigt besteuert. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Patentbox entspricht dem OECD-Standard (s. unter Nexusansatz, modifiziert) für solche Boxen.

Prinzipalgesellschaft

International tätige Konzerne zentralisieren die Funktionen, Verantwortlichkeiten und Risiken innerhalb des Konzerns nach Produktgruppen oder Märkten. Die Obergesellschaft einer zentralisierten Struktur wird als Prinzipalgesellschaft bezeichnet. Sie übernimmt weltweit den Einkauf, die Planung der Forschung und Entwicklung, die Produktionsplanung und -steuerung, die Lagerverwaltung und Logistikplanung, die Entwicklung der Marketingstrategie, die Absatzplanung und -steuerung, «Treasury and Finance» sowie die Administration.

Reserven, stille

Als stille Reserven gilt die Differenz zwischen dem Verkehrswert eines Vermögenswerts (z.B. einer Maschine) und dem tieferen Buchwert. Sie können durch Wertsteigerungen oder infolge von Abschreibungen entstehen. Die Realisierung stiller Reserven (z.B. infolge Verkauf) löst die Gewinnsteuer aus. Eine steuerpflichtige Realisierung stiller Reserven findet ebenfalls statt, wenn die Steuerpflicht endet (z.B. infolge Wegzugs aus der Schweiz). Umgekehrt ist es konsequent, bei Beginn der Steuerpflicht infolge Zuzugs eine steuerneutrale Aufdeckung stiller Reserven zuzulassen, die im Ausland erwirtschaftet worden sind. Bei Beendigung der Besteuerung als Statusgesellschaft richtet sich die Aufdeckung stiller Reserven nach der jeweiligen kantonalen Praxis. Nach Inkrafttreten der SV17 werden die bestehenden stillen Reserven dieser Unternehmen in einer Verfügung festgestellt und bei deren Realisierung während der nächsten fünf Jahre mit einem vom Kanton zu bestimmenden Sondersatz besteuert. Sowohl die Aufdeckung stiller Reserven bei Zuzug wie auch bei Beendigung eines kantonalen Steuerstatus werden auch als Step up bezeichnet.

Ressourcenausgleich

Der Ressourcenausgleich ist eines der Ausgleichsinstrumente im Rahmen des Finanzausgleichs zwischen Bund und Kantonen und trägt dazu bei, die Unterschiede in der finanziellen Leistungsfähigkeit zwischen den Kantonen zu verringern und die steuerliche Wettbewerbsfähigkeit im nationalen und internationalen Verhältnis zu erhalten. Er wird durch den Bund und die ressourcenstarken Kantone finanziert. Der Bund finanziert den vertikalen Ressourcenausgleich, die ressourcenstarken Kantone den horizontalen Ressourcenausgleich.

Ressourcenindex

Der Ressourcenindex bildet die Basis für den Ressourcenausgleich. Er widerspiegelt die steuerlich ausschöpfbaren Ressourcen eines Kantons im Vergleich zum schweizerischen Durchschnitt. Der schweizerische Mittelwert des Ressourcenpotenzials je Einwohner bildet dabei den Indexwert von 100. Kantone mit Index unter 100 gelten als ressourcenschwach, jene mit Index über 100 gelten als ressourcenstark.

Ressourcenpotenzial

Das Ressourcenpotenzial bildet die steuerlich ausschöpfbaren Ressourcen eines Kantons ab und zeigt damit die finanzielle Leistungsfähigkeit eines Kantons. Das Ressourcenpotenzial ist die Basis für die Berechnung des Ressourcenindexes. Es entspricht dem dreijährigen Durchschnitt der Aggregierten Steuerbemessungsgrundlage (ASG), welche im Wesentlichen auf der Bemessungsgrundlage der direkten Bundessteuer basiert.

Step-up

Siehe unter «Reserven, stille».

Steueranrechnung, pauschale

Gestützt auf ein Doppelbesteuerungsabkommen werden mit der pauschalen Steueranrechnung im Ausland gezahlte Quellensteuern an die schweizerische Steuer angerechnet. Damit können Doppelbesteuerungen im internationalen Verhältnis vermieden werden.

Steuerstatus, kantonaler

Steuerstatus, kantonaler: Kapitalgesellschaften, Genossenschaften und teilweise Stiftungen, die bestimmte Funktionen erfüllen oder deren Geschäftstätigkeit stark auslandbezogen ist, können auf kantonaler Ebene in den Genuss eines Steuerstatus kommen. Das Steuerharmonisierungsgesetz des Bundes (StHG) unterscheidet verschiedene Formen von Statusgesellschaften: Holdinggesellschaften (Art. 28 Abs. 2 StHG). Die Hauptaktivität besteht im langfristigen Halten und Verwalten von Beteiligungen. Verwaltungsgesellschaften: - Domizilgesellschaften (Art. 28 Abs. 3 StHG). Diese üben in der Schweiz keine Geschäftstätigkeit aus und nehmen nur Verwaltungsfunktionen wahr. - Gemischte Gesellschaften (Art. 28 Abs. 4 StHG): Ihre Geschäftstätigkeit in der Schweiz ist lediglich von untergeordneter Bedeutung. Die direkte Bundessteuer kennt keinen Steuerstatus.

Swiss Finance Branch

Sie ist die schweizerische Betriebsstätte einer ausländischen Konzernfinanzierungsgesellschaft.

Teilbesteuerungsverfahren

Das Teilbesteuerungsverfahren wurde im Rahmen der Unternehmenssteuerreform II eingeführt, um eine wirtschaftliche Doppelbelastung zu vermindern. Diese entsteht, wenn Dividenden zuerst als Gewinn einer Gesellschaft und danach als Einkommen eines Anteilseigners vollumfänglich besteuert werden. Die Kantone sind grundsätzlich frei, ob sie ein Teilbesteuerungsverfahren einführen und wie sie dieses ausgestalten. Die Teilbesteuerung ist aber ausschliesslich auf Beteiligungen anwendbar, die mindestens 10% betragen. Mit der SV17 soll das Teilbesteuerungsmass beim Bund auf 70 Prozent angehoben werden (heute: 50% wenn die Beteiligungen im Geschäftsvermögen gehalten werden und 60% wenn sie im Privatvermögen gehalten werden). Auch die Kantone werden Dividendenerträge zukünftig zu mindestens 70 Prozent besteuern (im geltenden Recht wird den Kantonen kein Teilbesteuerungsmass vorgeschrieben). Zudem soll die Entlastungsmethode harmonisiert werden.

Unternehmenssteuerreformen I-II

Die zwei bisherigen Unternehmenssteuerreformen hatten unterschiedliche Inhalte und Stossrichtungen: Die Unternehmenssteuerreform I trat 1997 in Kraft. Sie beinhaltete die Verbesserung des Holdingstandortes, die Beseitigung der Kapitalsteuer und einen linearen Gewinnsteuersatz. Die Unternehmenssteuerreform II wurde am 24. Februar 2008 von den Stimmenden angenommen und zwischen 2008 und 2011 in Kraft gesetzt. Ihre Kernelemente waren die Milderung der wirtschaftlichen Doppelbelastung, der Abbau von substanzzehrenden Steuern, die Entlastung für die Personenunternehmen und das Kapitaleinlageprinzip.

Verhaltenskodex der EU

Der Rat der EU-Wirtschafts- und Finanzminister (ECOFIN) beschloss am 1. Dezember 1997 den Verhaltenskodex für die Unternehmensbesteuerung (Code of Conduct, CoC). Der Verhaltenskodex ist kein rechtsverbindliches Instrument. Er verpflichtet EU-Mitgliedstaaten politisch, geltende steuerliche Massnahmen, die zu einem schädlichen Steuerwettbewerb führen, zurückzunehmen und künftig keine derartigen Massnahmen mehr zu treffen.

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Letzte Änderung 27.09.2018

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