Der Bernerhof: Vom Nobelhotel zum Sitz des EFD

Der Sitz des Eidgenössischen Finanzdepartements und damit des Departementsvorstehers befindet sich im so genannten Bernerhof. Es handelt sich dabei um ein ehemaliges Hotel.

Bernerhof Eingang heute
Bernerhof Eingang heute

Die Geschichte des Hauses, in dem sich das Eidgenössische Finanzdepartement befindet, ist eng mit der Geschichte des neuen Bundesstaates verknüpft. Aber anders, als man vermuten würde.

Der Bernerhof früher

1848 wurde Bern zum Regierungssitz ernannt. Viermal pro Jahr sollten hier die Räte zusammentreten. Die Stadt musste deshalb für die Regierung und die Verwaltung einen Sitz bereitstellen. 1857 war das Bundes-Rathaus fertiggestellt, das heutige Bundeshaus West. Der Hotelier Jean Kraft aus Bern ahnte, dass bald Räte und Staatsgäste eine angemessene Unterkunft in Bern benötigten. 1856-1858 liess er deshalb auf der Westseite des Rathauses das Nobelhotel Bernerhof erstellen, und zwar von den Rathaus-Architekten Friedrich Studer und Johann Carl Dähler. Es verfügte über 123 Zimmer.

Bis 1870 war der Bernerhof das einzige Nobelhotel in Bern. Er galt bei seiner Eröffnung als beste Adresse in Europa. In ihm stiegen gekrönte und berühmte Häupter ab: Napoléon III., Kaiser von Frankreich; die Kaiserin von Russland, die Königinnen von Schweden und den Niederlanden, der König von Siam, der Maharadscha von Jodhpur in Indien, Baron Rothschild, der Schriftsteller Carl Spitteler, der Komponist Jacques Offenbach, der Polarforscher Roald Amundsen und viele weitere. Der Bernerhof diente als Vorbild für das Hotel Victoria in Interlaken. In der Geschichte der Hotelarchitektur hat das Gebäude einen wichtigen Platz.

Einige Jahre nach der Eröffnung des Bernerhofs lockte ein Konkurrent ebenfalls gutbetuchte Gäste an. Auf der Ostseite des Bundes-Rathauses war das noch heute existierende Hotel Bellevue erbaut worden.  

Der Bernerhof heute

Mit dem 1. Weltkrieg kam der Einbruch: Von einem Tag auf den anderen blieben die Gäste aus. Der Hotelbetrieb erholte sich auch danach nicht mehr richtig. Als 1923 auch noch der Hotelier verstarb, verkaufte seine Witwe den „Bernerhof" an die Eidgenossenschaft. Er wurde umgebaut, und 1924 zog das Eidgenössische Finanzdepartement ein.
2004-2005 wurde der Bernerhof erneut umgebaut: Bisher hatten bundeseigene repräsentative Räume gefehlt. Im Parterre und im Untergeschoss wurde im ehemaligen Hotel ein Rückbau des Bankettsaals für Staatsempfänge realisiert.

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