200 Jahre die Mobiliar
Bern, 06.02.2026 — Grusswort durch Bundeskanzler Viktor Rossi
Bundeskanzler der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Sehr geehrter Herr Ständeratspräsident
Sehr geehrter Herr alt Bundesrat
Sehr geehrte Herren Landammänner
Sehr geehrter Herr Regierungspräsident
Sehr geehrte Frau Nationalrätin, sehr geehrte Herren Nationalräte
Sehr geehrte Herren Ständeräte
Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin von Bern
Sehr geehrte Damen und Herren aus Kantons- und Kommunalpolitik
Mesdames et Messieurs en vos titres et fonctions
Sehr geehrte Damen und Herren
Sehr geehrter Herr Gastgeber Stefan Mäder, sehr geehrte Frau Gastgeberin Michèle Rodoni, haben Sie herzlichen Dank für die Einladung zu Ihrem 200-jährigen Jubiläum, welcher ich sehr gerne nachgekommen bin.
Der Bundesrat ist ja eigentlich sehr zurückhaltend, wenn es um Einladungen an Jubiläen privater Institutionen geht. Schnell kann es problematisch werden: Klüngelei, Nepotismus oder Begünstigungen stellen nur eine Auswahl der potentiellen Vorwürfe dar.
Bei Ihrer Einladung handelt es sich jedoch um eine «ernste» Sache: Ich jasse seit über 20 Jahren regelmässig mit einem ihrer Kollegen, einem Mitarbeiter der Mobiliar. Jedenfalls so regelmässig, wie es die Terminkalender zulassen. Beim letzten Jass bat er mich darum, mir den 6. Februar zu reservieren. In der Annahme, dass es sich dabei um den nächsten Jassabend handeln würde, reservierte ich das Datum. Als dann eine Einladung folgte, und zwar an den Bundesrat!, wurde mir klar, dass es um mehr geht, meine verehrten Damen und Herren.
Aber: Es gibt Parallelen zwischen einem Jassabend und der Arbeit, die die Mobiliar nun bereits seit 2 Jahrhunderten leistet: Man hofft auf gute Karten, aber man zeigt den Charakter bei schlechten. Mal trumpft man auf, mal klopft man auf den Tisch, und am Ende des Tages sollte man sich immer noch in die Augen schauen können.
Jedenfalls freut es mich sehr heute Abend hier zu sein und Ihr Jubiläum mit Ihnen zu begehen!
Sehr geehrte Damen und Herren
Die Mobiliar und der Bundesrat haben vieles gemeinsam. Bei meiner Vorbereitung auf dieses Grusswort bin ich dabei immer wieder auf die folgenden drei Themen gestossen:
· Die Nachbarschaft
· Den Genossenschaftsgedanken
· Und drittens die Verantwortung
Zum Thema Nachbarschaft kam mir ein Zitat des deutschen Dichters Friedrich Rückert in den Sinn. Dieser hat zu der Zeit gelebt, als unsere beiden Arbeitgeber sich in Bern eingerichtet haben. Er hat geschrieben: «Erst nach dem Nachbarn schaue, sodann das Haus dir baue!».
Nun, heute begehen wir im Casino Ihr 200-jähriges Jubiläum. Also am Ende der Bundesmeile. Sie eröffnen mit dem Hauptsitz der Mobiliar diese Bundesmeile mittlerweile an der Ecke Monbijou und Bundesgasse. Und auf dieser Achse Mobiliar-Casino befindet sich das Bundeshaus West, der Ort, wo der Bundesrat zu seinen wöchentlichen Regierungssitzungen zusammenkommt, und auch die Bundeskanzlei ist dort zu Hause. Also bleibt noch die Frage nach dem Huhn und dem Ei! Wer war zuerst hier?
Das Bundeshaus West, unser eigentlicher «Regierungssitz», war der erste Bau der drei «Bundeshäuser» Ost, West und dem Parlamentsgebäude in der Mitte. Bezogen wurde das Bundeshaus West 1857.
Sie hingegen zogen erst 1898 auf die andere Seite der Bundesgasse, nämlich an die Schwanengasse! 4 Jahrzehnte haben Sie gebraucht, um sich dazu durchzuringen unsere Nachbarin zu werden, liebe Mobiliar!
Heute ist unsere nachbarschaftliche Beziehung sehr erfreulich und gesund! Es gibt sogar eine Begegnungszone in der Mitte in Form der kleinen Schanze!
Unsere nachbarschaftliche Beziehung definiert, komme ich nun zur zweiten Überlegung: Dem Genossenschaftsgedanken. Denn auch hier verbindet die Mobiliar und unsere Schweiz vieles. In Ihren ersten Statuten von 1826 steht, ich zitiere: «Möge nun das Gedeihen der hiereröffneten schweizerischen Versicherungsgesellschaft beweisen, dass jeder Antrag, welchem Gemeinsinn zum Grunde liegt, eines glücklichen Erfolges [in unserem Vaterland] sicher ist.»[1]
Ihre seit 200 Jahren bestehende Gesellschaftsform der Genossenschaft versteht sich in der Tradition Montesqieus, des französischen Staatstheoretikers, Historikers und Schriftstellers. Der Gedanke «Le bien particulier doit céder au bien public» ist ein zentraler Gedanke seines Schaffens. Gemeinnutz geht vor Eigennutz!
Dieser Genossenschaftsgedanke war ebenso immer schon Teil der Schweiz. Die Wiege der modernen Schweiz war sogar massgeblich genossenschaftlich geprägt. Nicht umsonst handelt es sich um die Eid-Genossenschaft! Und diese genossenschaftliche Tradition hallt bis heute in der halbdirekten Demokratie, im Föderalismus, im Milizsystem oder auch in einer starken Gemeindeautonomie der modernen Schweiz nach.
La possession commune et le partage des ressources ont fait grandir notre pays et ont préservé son unité. Prises isolément, les quatre régions linguistiques, du fait de leur taille, n’auraient guère pu exister de manière autonome et auraient probablement été absorbées par les États voisins. C’est pourquoi la Suisse a besoin d’éléments communs et fédérateurs.
Aujourd’hui, l’article 6 de la Constitution fédérale est libellé comme suit - je cite - « Toute personne est responsable d’elle-même et contribue selon ses forces à l’accomplissement des tâches de l’État et de la société. » - fin de citation.
Dans une coopérative, la règle est la suivante : ce que l’on ne peut pas faire seul devient possible quand on le fait ensemble. Ce principe est bien plus qu’une simple organisation économique, c’est une promesse sociale.
Votre engagement, très chère Mobilière, est extrêmement diversifié et d’une portée considérable : vous faites de la prévention pour assurer l’avenir de l’environnement, vous soutenez la recherche, le sport et vous n’oubliez pas l’art et la culture, deux biens trop souvent relégués au second plan dans la société.
Als praktisches und beeindruckendes Beispiel, und davon gäbe es zahlreiche, möchte ich hier das «Mobiliar Forum» nennen. Dabei bringen Sie Menschen zusammen, um innovative Ideen zu generieren und zu verfolgen.
Ich komme zum dritten und letzten Punkt. Denn auch die «Verantwortung» findet Eingang in den eben zitierten Artikel 6 unserer Bundesverfassung!
Der Bundesrat sowie Ihr Unternehmen sind auch zuständig dafür vorauszuschauen.
Dabei sind die zentralen Begriffe auf Bundesebene etwa die Identifikation und Analyse von Entwicklungen.
Somit kommt ein weiterer Begriff hinzu, dem die Mobiliar sowie der Bund höchste Bedeutung beimessen: derjenige der Antizipation! Die Welt befindet sich in einem fragilen Zustand. Tektonische politische Verschiebungen, Klimawandel und die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz sind nur drei Beispiele, welche unsere beiden Metiers noch viel beschäftigen werden. Es gilt sich möglichst gut darauf vorzubereiten, zu antizipieren und dabei – eben solidarisch – alle, insbesondere die kommenden Generationen miteinzubeziehen.
Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Gäste
Die gelebte Verantwortung bringt mich zum Abschluss und ich knüpfe noch einmal an den Genossenschaftsgedanken an: Sie sind eine Genossenschaft, wir sind die Eidgenossenschaft. Wenn man so will, sind wir heute also an einem Familienfest.
Und wie das bei Verwandten ist: Man ist nicht immer in allem einer Meinung – aber wenn es darauf ankommt, hält man zusammen. Genau diese Haltung hat die Schweiz stark gemacht. Risiken nicht verdrängen, sondern gemeinsam tragen. Vorausschauend – mit Gemeinsinn und Augenmass.
Das zeigt sich bei der Mobiliar nicht nur im Kerngeschäft, sondern auch dort, wo man Verantwortung besonders nachhaltig spürt: in Ihrem Engagement für Prävention, Forschung, Kultur und Sport.
Liebe Mobiliar: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 200-jährigen Bestehen! Vielen Dank für Ihren Einsatz zum Wohle der Gemeinschaft! Und auf eine weiterhin gute Nachbarschaft!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit - ich wünsche Ihnen einen schönen Abend im Zeichen des Jubiläums der Mobiliar.
Merci pour votre attention - je vous souhaite une excellente soirée sous le signe du bicentenaire de la Mobilière.
Fussnoten:
[1] Aus den ersten Statuten der Gesellschaft vom 25. Hornung (Februar) 1826.