Wie Begriffe wie «Genschere» die öffentliche Wahrnehmung neuer Pflanzenzüchtungsverfahren prägen
Bern, 09.04.2026 — Die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) hat am 9. April 2026 einen Bericht zur Verwendung von Metaphern im Zusammenhang mit neuen gentechnischen Pflanzenzüchtungsverfahren veröffentlicht. Der Bericht untersucht, wie Begriffe wie «Genschere» oder «Genome Editing» die öffentliche Debatte um Technologien wie CRISPR/Cas beeinflussen.
Die EKAH zeigt auf, dass Metaphern in der wissenschaftlichen Fachkommunikation und in der öffentlichen Debatte unterschiedlich verstanden werden. Während Begriffe wie «Genschere» im wissenschaftlichen Diskurs als neutrale Fachbezeichnungen verwendet werden, entfalten sie in der öffentlichen Kommunikation eine bildhafte Wirkung: Sie rufen Assoziationen von Präzision, Einfachheit und Kontrollierbarkeit hervor. Der Bericht analysiert, wie Metaphern bestimmte Aspekte der Technologie hervorheben, während andere in den Hintergrund treten. Die Art und Weise, wie über neue gentechnische Verfahren gesprochen wird, beeinflusst deren Wahrnehmung und Bewertung in der Öffentlichkeit.
Empfehlungen für transparente Kommunikation
Im Zentrum des Berichts steht die Frage, wie Metaphern in der staatlichen und öffentlichen Kommunikation eingesetzt werden sollten, um der Bevölkerung eine unabhängige und faktenbasierte Meinungsbildung zu ermöglichen. Die EKAH betont:
- Metaphern sind in der Wissenschaftskommunikation oft unverzichtbar, um komplexe Sachverhalte verständlich zu benennen.
- Sie können jedoch mit verdeckten Wertungen verbunden sein.
- Es ist wichtig, die explizite Bewertung unabhängig von solchen impliziten Wertungen vorzunehmen.
- Transparenz über die Chancen und Risiken neuer Technologien ist für die demokratische Willensbildung zentral.
Aktueller Kontext
Der Bericht erscheint vor dem Hintergrund laufender Regulierungsdebatten: Sowohl in der Schweiz als auch in der EU wird derzeit diskutiert, wie neue gentechnische Pflanzenzüchtungsverfahren reguliert werden sollen. Der Bundesrat hat kürzlich einen Vernehmlassungsentwurf zum «Bundesgesetz über Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien (NZTG)» vorgelegt.
Weitere Informationen
Ein externes Gutachten, das die EKAH bei Prof. Christina Brandt, Universität Jena (D), in Auftrag gegeben hatte, ist verfügbar unter: Metaphern. Ihre Rolle für CRISPR und andere Genome Editing-Verfahren
Kontakt
Dr. theol., Dr. sc. agr. Otto Schäfer, Stv. Präsident a. i. EKAH, Tel. +33 6 05 30 60 19
Ariane Willemsen, Leiterin der Geschäftsstelle EKAH, Tel. +41 79 728 21 60, ekah@bafu.admin.ch
Über die EKAH
Die Eidg. Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) berät den Bundesrat und die Bundesverwaltung bei der Rechtsetzung in ihrem Mandatsbereich und fördert den öffentlichen Diskurs über ethische Fragen der Bio- und Gentechnologie.
Neue gentechnische Pflanzenzüchtungsverfahren
Als «neue gentechnische Verfahren» werden biotechnologische Verfahren zusammengefasst, die in den letzten 20 Jahren entwickelt wurden. Im Zentrum der Debatte stehen Verfahren wie CRISPR/Cas und andere sogenannte gezielte Mutagenese-Verfahren (Zinkfingernukleasen und Transcription Activator-Like Effector Nucleases [TALEN]). Als Oberbegriff für diese Verfahren hat sich die Bezeichnung Genome Editing (dt. Genomeditierung) etabliert. Derzeit wird sowohl in der Schweiz als auch in der Europäischen Union intensiv über die Regulierung von Pflanzenzüchtungsverfahren auf der Basis dieser Techniken diskutiert.