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Internet-Ansprache von Bundesrat Hans-Rudolf Merz zum 1. August 2010
Was wäre, wenn es den 1. August nicht gäbe? Dann würde uns der Anlass fehlen, unser Land und unsere gemeinsamen Errungenschaften zu feiern – von der Demokratie und der Freiheitsliebe bis hin zur Weltoffenheit, vom Wohlstand und der Selbstverantwortung bis hin zur Solidarität. Gut, gibt es den 1. August.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Was wäre, wenn es den 1. August nicht gäbe? Würde es uns heute überhaupt auffallen, da doch ohnehin Sonntag ist?
Ich meine klar: ja! Denn wenn es den 1. August nicht gäbe, wann würden wir dann ein Höhenfeuer für unsere Demokratie und unseren Föderalismus entfachen? Dank Demokratie und Föderalismus entscheidet bei uns nicht eine Obrigkeit, sondern das Stimmvolk darüber, wie der Staat gestaltet ist. Demokratie und Föderalismus prägen unsere Gemeinschaften zwischen Genfersee und Bodensee und von Basel bis Chiasso. Sie vereinen unter dem Schweizerkreuz die Vielfalt und den Reichtum unserer Kulturen.
Wenn es den 1. August nicht gäbe, wann würden wir dann eine Fackel für unsere Freiheit anzünden? Wir Schweizerinnen und Schweizer sind freiheitsliebend. Das zeigt sich in unserer über 700-jährigen Geschichte. Das zeigt sich aber oft auch in unserem Alltag – zum Beispiel bei den 1. August-Feiern: Keine militärischen Paraden oder Huldigungen. Alle feiern nach ihrer Vorliebe: im vertrauten Zuhause oder zusammen mit Freunden, ausgelassen oder besinnlich, festlich oder einfach.
Wenn es den 1. August nicht gäbe, wann würden wir dann ein Feuerwerk auf unseren Wohlstand aufsteigen lassen? Zwar hat die Krise vielen Menschen Sorge bereitet. Doch die guten Nachrichten mehren sich: Unsere Wirtschaft erholt sich früher als erwartet. Und wenngleich jede arbeitslose Person eine zuviel ist, scheint auch am Arbeitsmarkt das Schlimmste überstanden. Diese Erholung verdanken wir einer freiheitlichen Wirtschaftspolitik und Tugenden wie Fleiss, Zuverlässigkeit, Innovation und Beharrlichkeit.
Wenn es den 1. August nicht gäbe, wann würden wir dann die Flagge unserer Weltoffenheit hissen? Nicht nur unsere Wirtschaft ist international stark vernetzt. Auch unsere Bevölkerung ist es. So feiern heute nicht nur zahlreiche ausländische Gäste mit uns, sondern auch hunderttausende Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in aller Welt.
Schliesslich: Wenn es den 1. August nicht gäbe, wann würden wir dann ein hohes Lied auf Selbstverantwortung und für Solidarität anstimmen? Seine Botschaft lautet, dass wir die Folgen des eigenen Handelns im Guten wie im Schlechten selber tragen. Dass wir aber auch sorgsam mit unserer Umwelt umgehen. Und dass wir solidarisch sind mit Menschen, die unverschuldet in Not geraten.
Wir dürfen stolz sein auf unsere Schweiz. Gut, gibt es den 1. August, sie zu feiern.
Ich wünsche Ihnen allen einen frohen Nationalfeiertag.
 
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